Zwitschern in der Nacht

Ich weiß in diesem Jahr ganz genau, wann der Frühling angefangen hat. Und zwar, als in Leipzig mitten in der Nacht vom 23. auf den 24. März die Vögel zwitscherten. Da hat’s angefangen. Auf den Punkt.

Ansonsten die Buchmesse in der Kurzzusammenfassung: Reichlich Kollegen und Freunde getroffen, aber auch viele verpasst, einige neue kennengelernt, ziemlich viel zugehört, aber auch tüchtig selber gequatscht, gutes Essen und feinen Wein getrunken, eine tolle Unterkunft gehabt, ein empfang und zwei Partys, 100 Zigaretten, und gelernt, dass für Taxifahrer Pfingsten ein noch viel bessereres Geschäft als die Buchmesse ist. Weil:

„Da kommen nämlich die Schwarzen.“

„Bitte wer kommt da?“

„Die Gothics. Dreihunderttausend. Und alle ganz friedlich.“

„Ach so.“

Hier ist mein diesjähriges Lieblingserinnerungsfoto, aufgenommen vor einem polnischen Cafe in der Leipziger Fußgängerzone.

Leipzig bei Nacht

Das Konzept der Speed-Read-Lesung (7 Autoren- 7 Minuten) der ERA-Agentur hat – für mich überraschend- gut funktioniert. Sogar mit acht Autoren. Ich habe nur drei Minuten aus meinem Buch gelesen und die restliche Zeit genutzt, einen Brief von meinem Freund und Kollegen Deniz Yücel vorzulesen. Deniz Yücel sitzt seit Mitte Februar in türkischer Haft, seit Anfang März in Isolationshaft. Sein angebliches Verbrechen ist, was alle Autoren eint: Er hat geschrieben.

In Worte und Sätze und Artikel gefasst, was er gehört und gesehen hat, was ihm berichtet wurde, was er recheriert hat. Er hat den Gefühlen, Gedanken, Meinungen und Erlebnissen von anderen damit eine öffentliche Stimme gegeben. Das ist Journalismus. Jedes Schreiben, auch das literarische, ist auf Zuhören, Beobachten und Interpretieren gegründet. Schreiben und das Geschriebene zu veröffentlichen ist kein Verbrechen. das kann es nie sein. Es ist ein Grundrecht. So wie Denken. Das muß es nach meinem Verständnis jedenfalls sein. Deniz sitz dafür im türkischen Gefängnis. Er fehlt. Und solang er fehlt, werden andere ihm ihre Stimme geben. Unter anderem mit dem Brief, den er kurz nach seiner Verlegung in die Einzelhaft, einem der wenigen zugelassenen Besuchern diktiert hat. Selber schreiben durfte er ihn nicht.

Ansonsten läuft die Leserunde auf lovely-books gut, ich bin erstaunt über die vielen Sichtweisen, die meine Geschichte bei den LeserInnen auslöst und erfreut, das vieles von dem, was mir in dem Buch wichtig war, erkannt und geschätzt wird.

Am kommenden Montag findet dann die offizielle Buchvorstellung statt, ich hoffe auf viele Besucher und bin angemessen aufgeregt.

Buchpremiere am Kotti

Danach will ich einerseits hier endlich ein neues Buch vorstellen, das ich sehr mag. Der Text dazu ist halb fertig. Mindestens. Andererseits möchte ich  Zeit finden, an meiner neuen Idee zu schreiben. Darin geht es um Berlin, Paris, einen Bäcker, einen Späti und den Wind. So jedenfalls ist der Plan!

 

 

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