SOMMERÜBERRASCHUNGEN

Der Sommer ist da und hat mir ein paar Überraschungen mitgebracht.

Vor allem die Erkenntnis: Ich kann prima meine Pläne durchkreuzen. Wollte ich doch eigentlich, wie in meinem letzten Beitrag angekündigt, sowohl mein nächstes Lieblingsbuch vorstellen, als auch am neuen Projekt arbeiten. Tja. Das war ein guter,  ja ein sehr guter Plan, aber: „Nicht mit mir!“

Ich will viel nämlich lieber in der Sonne sitzen und mich dabei … über Handwerksarbeiten an dem Haus, in dem ich wohne, wundern. Verschiedene Bauarbeitertypen studieren und raten, welche südosteuropäische Sprache sie sprechen. Ist das Bulgarisch? Manchmal hängen Montags neuerdings Fischreusen zum Trocknen im Hof. Jedenfalls können sie aus dem Vorderrad eines alten Fahrrads einen 1A-Seilzug bauen. Kann ich nicht.

Ich kann aber Schornsteinfegermeisterinnen auf dem Dachfirst bewundern, wie sie  Kamine ausbrennen : Sehr eindrucksvoll, wenn morgens um zehn Uhr erst offene Flammen aus dem gemauerten Kamin lodern und dann sehr, sehr viel schwarzer Rauch durchs Viertel zieht.

Zwischendurch muß ich natürlich die Katze streicheln. Zum See fahren. Mich in die Tiefen der Sonnenschirm-Wissenschaft einarbeiten. Nicht so viel am Computer sitzen. Sommer halt.

Aber auch: eine Recherche-Reise unternehmen. Man kann nämlich einfach neue Pläne machen und zum Schluß kommt trotzdem ein Buch raus. Ätsch!

Eines aber möchte ich noch mit euch teilen: Meine Freude über Lob für „Weit weg ist anders“. Besonders schön, wenn es von Buchhändlerinnen kommt und zwei davon stelle ich stellvertretend  hier ein:

Alexandra Stein von „Auslese. Bücher und Schönes für Freunde e.K.“ in Heitersheim schreibt:

Sarah Schmidt: Weit weg ist anders. Insel Taschenbuch
Hier habe ich mich schier gekräuselt vor Lachen, diese Mädels! Frau Scholz und Frau Jacobi sind irgendwie über siebzig, aber beileibe noch keine Seniorinnen (auf jeden Fall keine von der Seniorinnen-Teller-Sorte), lernen sich in der Reha kennen und finden sich höchsten suboptimal sympathisch. Aber sie können einander ziemlich nützlich sein, und daraus entsteht… ein bisschen Freundschaft, ein bisschen Roadtrip, ein bisschen Tragikomisches – so eine biestige, realistische, runde Geschichte gibt es nicht so oft.

Hier der Link

Und die Buchhandlung „Die gute Seite“ in Berlin-Neukölln meint:

Sarah Schmidt: Weit weg ist anders

Das sagt der Verlag:
Kratzbürstige Berlinerin die eine, norddeutsche Kleinstädterin mit einer Vorliebe für Yoga und Handarbeiten die andere: Außer einer gegenseitigen tiefen Abneigung haben Edith Scholz und Christel Jacobi nichts miteinander am Hut – dennoch lassen sich die beiden 70-Jährigen auf ein Abenteuer ein, das sie quer durch Deutschland führt.

Das sagt Die gute Seite:

Ach Mensch, klingt das nicht nach Renterinnen-Road-Trip und Regionalklischees? Aber da die Autorin Sarah Schmidt ist, muss da noch mehr hinterstecken. Tut’s auch! Die Protagonistinnen lernen sich während einer Kur auf Usedom kennen. Und treffen sich wieder.
Bis dahin haben wir schon den Briefträger ins Herz geschlossen, der trotz Zeitdruck und vieler Treppen einem nach seinen Kriterien entstandenen Klingelkreis die Post noch eigenhändig an die Tür bringt. Und wir fühlen mit Edith Scholz (ja, es ist dieselbe aus Eine Tonne für Frau Scholz, aber jünger), deren Kreuzberger Haus saniert wird. Und Christel Jacobi in Husum ist im Laufe des Buches nicht mehr nur gut betucht und kunstsinnig, sondern auch verzweifelt und zu den falschen Leuten freundlich.
Eigentliche Story-Königin ist natürlich Sarah Schmidts fein gesponnenes Sprachnetz. Wie nebenbei gewinnen die Figuren an Form und Tiefe. Einige Charakterzüge machen sie nicht immer sympathischer, aber umso authentischer. Absolute Lieblingsszene: Edith „Eddie“ Scholz sitzt mit Pils in der Hand im Automatencasino, um zu viel menschlicher Freundlichkeit in barockem Ambiente zu entkommen. Ihr brennen sich die Automaten-Seesterne, -muscheln und -fische bereits auf die Netzhaut, während eine Etage über ihr zarte Worte gewechselt werden. Wunderbar! Eher für Berliner* als für Husumer*…

Hier geht’s lang

So, und jetzt guck ich den Blumen beim Sein zu und wünsche einen guten Sommer.

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