Kurz vor der Buchmesse Leipzig – Schönheit und Groll

Ich komme eben aus dem wunderbaren Haus des Rundfunks in der Marsurenallee, in dem heute der rbb seinen Sitz hat.  Ich liebe dieses Gebäude, von außen ahnt man nicht, wie viel Schönheit es in sich verbirgt.  Alleine der Paternoster! Sicher einen der letzten in Berlin. Was mir am Radio im Allgemeinen besonders gefällt, ist, dass es – zumindest in der Produktion – fest in weiblicher Hand ist. Ich mag diese Frauen meist sofort, sie sind kompetent und gleichzeitig lässig.

Auf der Rückfahrt habe ich überlegt, ob ich überhaupt schon mal einen Mann an den Technikpulten gesehen habe. Ich konnte mich nicht erinnern.

Eingeladen wurde ich von der Redakteurin der Sendung „Zeitpunkte-Debatte“, Manuela Reichart. Neben mir stellen Nora Bossong, Noemi Schneider, Susann Pásztor und Annette Mingels ihre neuen Bücher vor. Zu hören ist die Sendung am Samstag, den 25. März, 17.00-18.00 Uhr und danach eine Woche lang in der Mediathek.

Diese Stunde heute morgen hat mich für den Groll entschädigt, mit dem ich gestern schlafen gegangen bin. In der aktuellen Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse der „Zeit“  werden insgesamt 21 Autoren/Bücher vorgestellt und besprochen. Davon sind Frauen: ZWEI! Zwei!

Die Österreicherin Anna Kim und ihr Roman „Die große Heimkehr“ im (immerhin) vierseitigen Gespräch und die Rezension des Romans „Kiro“ von Anne Weber. Das war’s.

Die Doppelseite „20 Bücher-Die wichtigsten Titel für den intellektuellen Smalltalk“ findet zumindest drei Autorinnen wichtig genug: Ingeborg Bachmann (tot), Hanya Yanagihara (unvermeidlich) und Zsuzsa Bánk (lebt!). Natürlich kann man der Meinung sein, es gäbe einfach nicht genug interessante, kontroverse, aufregende oder sogar relevante Bücher in diesem Frühjahr, die von Frauen geschrieben wurden, aber besonders überzeugend ist das nicht, oder?

Am Donnerstag fahre ich zur Messe nach Leipzig, werde etliche Kilometer hin-und herlaufen, ein bißchen vorlesen (siehe Termine), viel zuhören, viele Kolleg*innen treffen, mindestens auf einer Party aufkreuzen, trotzdem das Wichtigste vermutlich verpassen und Samstag zurück nach Berlin fahren. Auf jeden Fall mache ich Fotos!  Wenn ich dran denke.

 

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