Am Anfang stand ein Brief

Nellie Bly  Zehn Tage im Irrenhaus

Die Karriere von Nellie Bly (1864-1922) begann mit einem wütenden Leserbrief. Anlass ihrer Empörung war eine konservative Kolumne, in der gegen Frauen, die sich nicht auf Haushalt und Kindererziehung beschränken wollten, gewettert wurde. Ihre Entgegnung muss beeindruckend gewesen sein, denn der Herausgeber des „Pittsburg Dispath“ engagierte sie daraufhin kurzerhand als Journalistin.

Nellie Bly, gerade 18 Jahre alt,  schrieb eine Serie über Fabrikarbeiterinnen und verfasste Artikel zum Scheidungsrecht. Doch schnell wurden ihr nur noch „frauentypische Themen“ wie Gartenarbeit, Mode, Kunst oder Gesellschaftsnachrichten zugewiesen, die sie langweilten. Sie zog von Pittsburgh nach New York und kam über einige Umwege zur Tageszeitung „New York World“.

Deren Chefredakteur, Joseph Pulitzer, fragte, ob sie sich für einen Insider-Artikel in die psychiatrische Anstalt auf Blackwell’s Island  einweisen lassen würde.  Sie sagte zu. Und schrieb darüber: „10 Tage im Irrenhaus“. „Am Anfang stand ein Brief“ weiterlesen

Übers Lesen

Ich lese keine hundert Bücher im Jahr. Zum Glück. Ich wäre dann nämlich nicht in der Lage, mir mehr als einen Bruchteil von dem Gelesenen länger zu merken. Und ich mag es, wenn Bücher – Teile davon zumindest – eine längere Zeit im Kopf hin-und herschwappen. Insofern bin ich sehr froh, nicht beruflich lesen und mir schnell eine Meinung bilden zu müssen.

Ich lese trotzdem jeden Tag. Bis vor einer Weile habe ich versucht, das Lesen so weit wie möglich vom eigenen Schreiben zu trennen, nicht als Autorin zu lesen, sondern einfach so, wie die meisten Menschen, als Konsumentin. Das funktioniert immer weniger. Eigentlich gar nicht mehr. Ich bedauere das manchmal. Ständig sitzt die Autorin im Kopf, liest mit und mäkelt. Oder sie langweilt sich, wird ungeduldig, unduldsamer. Früher fand ich das Lesen an sich so schön, dass der Inhalt eine untergeordnete Rolle spielte. „Übers Lesen“ weiterlesen